Betriebliche Umweltinformationssysteme (BUIS)

Betriebliche Umweltinformationssysteme (BUIS) sind betriebswirtschaftlich-technische Anwendungssysteme, die der systematischen Erfassung, entscheidungsorientierten Aufbereitung sowie problem- und empfängerorientierten Bereitstellung umweltrelevanter, insb. ökologischer und ökonomischer Informationen, dienen ( Umweltinformationssysteme). Dabei kann — in Abhängigkeit von der Integration der BUIS in die im Unternehmen vorhandene Anwendungssystemlandschaft — die folgende Klassifizierung vorgenommen werden:

BUIS, die insb. der mengenmäßigen Erfassung von Stoff- und Energieflüssen dienen. Sie werden mehrheitlich als Stand-alone-Systeme, d.h. allenfalls mit (standardisierten) Schnittstellen zu anderen betrieblichen Informationssystemen konzipiert und unterstützen — zumeist auf spezifische Sachgebiete (z.B. Abfall-, Gefahrstoffmanagement) begrenzt — ausgewählte, administrative, ggf. auch dispositive Aufgaben des betrieblichen Umweltschutzes. Diese beziehen sich schwerpunktmäßig auf das aus gesetzlichen Informationssonderrechten abgeleitete (externe) Umweltschutz-Reporting an öffentliche Kontroll- und Genehmigungsinstitutionen, Statische Ämter und einzelne nicht-öffentliche Informationsempfänger (z.B. Arbeitnehmer bzw. Arbeitnehmervertreter gem. Störfallverordnung oder Kundenunternehmen gem. Gefahrstoffverordnung).
Das BUIS übernimmt dann die automatisierte Erstellung und Archivierung beispielsweise von Emissionserklärungen gem. § 27 BImSchG, Nachweisbüchern gem. §§ 4248 KrW-/AbfG und Abfallwirtschaftskonzepten und -bilanzen gem. §§ 19, 20 Krw-/ AbfG, Erhebungsbögen gem. UStatG (z.B. zur Höhe der „Investitionen“ und »Aufwendungen“ für den Umweltschutz gem. § 15 Abs. 1 UStatG), Informationen an Arbeitnehmer und Arbeitnehmervertreter über Sicherheitsmaßnahmen gem. § lia Störfall-Verordnung und Sicherheitsdatenblättern für Kundenunternehmen gem. § 14 Abs. 1 GefStoffV.

Darüber hinaus wird die Umweltschutz-Publizität, d.h. Bereitstellung von Informationen an die Öffentlichkeit, unterstützt. Hierzu gehört die obligatorische Erstellung von Berichten gem. § 11 Störfall-Verordnung und § 38 StrSchV sowie die fakultative Aufstellung von Umwelterklärungen gem. EMAS-Verordnung und Umweltberichten gem. DIN EN ISO 14001.

Zunehmend werden auch Aufgaben des betrieblichen, z.T. auch des überbetrieblichen Umweltmanagements in BUIS integriert. Hierzu ermöglichen Systeme wie z.B. Umberto, AUDIT und GaBi die ökonomische Bewertung insb. produkt- und prozessbezogener Stoff- und Energieflüsse, die zumindest ansatzweise Durchführung von Flusskostenrechnungen sowie die entscheidungszweckentsprechende Definition aussagefähiger umweltschutzbezogener Kennzahlen (Investitionscontrolling). Zur Visualisierung von Optimierungspotenzialen und zur Vorbereitung von Kostensenkungsmaßnahmen werden neben konventionellen Berichtsstrukturen insb. Sankey-Diagramme bereitgestellt, mit denen mögliche Prozessvariationen simuliert und hinsichtlich ihrer ökologischen und ökonomischen Auswirkungen analysiert werden können.

Empirischen Untersuchungen zufolge, stellen die sog. Stand-alone-Systeme — obgleich der Aufwand für die z.T. noch manuell erfolgende Datenerhebung und -eingabe erheblich ist — den überwiegenden Anteil der in der Unternehmenspraxis implementierten BUIS dar.
Produktionsnahe BUIS – Lassen sich über eine möglichst vollständige Integration von Aufgaben des betrieblichen Umweltschutzes in vorhandene Komponenten des CIM-Konzeptes (CIM-Einführungsstrategien) realisieren und können sowohl an den Produkten (produktintegrierter Umweltschutz) als auch an den Produktionsprozessen (prozessintegrierter Umweltschutz) ansetzen. Dementsprechend konzentrieren sich umfangreiche Forschungsaktivitäten und deren praxisbezogene Umsetzung (z.B. im Rahmen des OPUS-Projektes mehrerer Fraunhofer Institute und der Universitäten Stuttgart, Aachen und Bremen) auf die Entwicklung von Lösungsansätzen zur Erweiterung derzeit auf dem Markt verfügbarer Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme (PPS-Systeme) (z.B. infor:COM der in-for business solutions AG) um umweltschutzbezogene Aufgaben, Prozesse, Funktionen und Daten.

Auf einem so entstandenen integrierten Fachkonzept einer umweltorientierten PPS aufbauend sind Recycling-Informationssysteme entworfen worden, die entweder stand-alone eingesetzt, als Add-on-Komponente zu vorhandenen PPS-Systemen implementiert oder zum integrierten Produktions- und Recyclingplanungs- und -steuerungssystem (PRPS) ausgebaut werden können. Eine Implementierung dieser Systeme in die Unternehmenspraxis steht allerdings noch weitgehend aus. Lediglich für die kunststoffverarbeitende Industrie werden erste Anwendungen angeboten.

Datenintegrierte BUIS – die insb. ökonomische und ökologische Informationen aus den Datenbasen der vorhandenen betriebswirtschaftlichen und technischen Anwendungssysteme im Unternehmen sowie möglichst auch aus den Informationssystemen der Kooperationspartner und aus externen Umwelt-Datenbanken (Öffentliche Umweltinformationssysteme) beziehen, auswerten und den unternehmensinternen und -externen Stakeholdern über ein den Informationsbedürfnissen entsprechend modular ausgestaltetes Umweltschutz-Reporting aktiv kommunizieren. Nur die integrierten BUIS erscheinen geeignet, das Umweltschutz-Controlling in seiner Aufgabenerfüllung zu unterstützen.

Dies setzt allerdings voraus, dass die Systeme zumindest den im folgenden skizzierten Anforderungen gerecht werden: Dem Umweltschutz-Controlling wird ein Instrumentarium bereitgestellt, mit dem ökonomische, ökologische und möglichst auch soziale Informationen entscheidungszweckentsprechend ausgewählt, bewertet und – i.S.d. Sustainable Development – integrativ zu einem ökonomisch-ökologisch (-sozialen) Entscheidungswert zusammengeführt werden können. Hierzu werden entscheidungsebenenbezogen Kennzahlen definiert, ermittelt, analysiert und zu einem multidimensionalen Kennzahlensystem ( Investitionscontrollingaufgaben) verknüpft. Für Zwecke des Umweltschutz-Reporting wird die über die problem- und empfängerorientierten Generierung, Verwaltung und Distribution umweltschutzbezogener Dokumente (z.B. Umwelterklärungen und -berichte) hinausgehend der Aufbau paralleler Berichtshierarchien ermöglicht.

Zusätzlich zu den in (1) erwähnten Umweltschutz-Berichten wird die benutzerspezifische Erstellung von fakultativen Berichten an spezifische, nicht-öffentliche Adressaten (z.B. Kooperationspartner, Unternehmenskäufer, Kreditinstitute, Versicherungen, ökologisch interessierte Investoren und Kunden) sowie insb. auch von Berichten an unternehmensinterne Anspruchsgruppen (Management, Gesellschafterorgane, Umweltschutzbeauftragte)

unterstützt. Darüber hinaus sollten Kommunikationsschnittstellen zum Intranet und zum Internet definiert sein, mit denen der unternehmensinterne und -externe (auch der kooperationsbezogene) Distributions- und Kommunikationsprozesse sichergestellt werden können (Stakeholderorientierte Umweltinformationssysteme).
Integrierte BUIS sind noch in Entwicklung. Ein erstes Anforderungsprofil ist im Rahmen von Forschungsarbeiten an der Universität Essen formuliert worden. Darüber hinaus ist in einem Gemeinschaftsprojekt der Universität Hohenheim mit Beratungsinstituten das Referenzmodell ECO-Integral erstellt und in Pilotunternehmen umgesetzt worden. Weiterentwickelt wird ECO-Integral derzeit in dem Projekt ECORAPID, das die Integration der Funktionalität des Referenzmodells in Standardsoftware-Lösungen mit hohem Verbreitungsgrad (z.B. SAP R13) unterstützt.

Vor dem Hintergrund des Sustainable Development stellt sich allerdings die Frage, welche Entwicklungsperspektiven den BUIS langfristig beizumessen sind. Der gesamtwirtschaftliche Wandel hin zu einer nachhaltigen Informationsgesellschaft wird zur Folge haben, dass die Entwicklung eines Fachkonzepts für ein betriebliches Informationssystem ohne Berücksichtigung ökologischer und auch sozialer Aspekte nicht denkbar ist. Dann könnten BUIS – zumindest die Stand-alone-Systeme – als eine Übergangserscheinung auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft angesehen werden.

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