Magisches Viereck

Seine historischen Wurzeln hat das „Magische Viereck“ im 1967 verabschiedeten Stabilitätsgesetz. Als eine Reaktion auf die erste Nachkriegsrezession spiegelt das „Magische Viereck“ ein volkswirtschaftliches Konzept mit konjunkturpolitischen Zielen wieder.




Definition / Erklärung

Das Adjektiv „magisch“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht etwas irreführend. Treffender wäre hier wohl die Bezeichnung utopisches Viereck, so alle vier genannten Ziele niemals gleichzeitig erreicht werden können, weil sie teilweise im Widerspruch zueinanderstehen.

Das „magische Viereck“ ist zudem durch eine gewisse Volatilität gekennzeichnet, nachdem die einzelnen Ziele entsprechend der konjunkturellen Lage unterschiedlich gewichtet werden können.

Video: Erklärung magisches Viereck

Die vier wirtschaftspolitischen Ziele



Magisches Viereck

Geldwertstabilität – Die Geldwertstabilität versteht sich als konstante Kaufkraft des Geldes und des damit verbundenen stabilen Preisniveaus im Kontext von Angebot und Nachfrage sowie der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

Der Geldwert bzw. das daran gekoppelte Preisniveau gilt dann als stabil, wenn sich die Wertveränderungen in einem Rahmen von null bis maximal zwei Prozent bewegen. Liegen Sie darunter, spricht man von einer Deflation. Steigen Sie über zwei Prozent, ist von einer Inflation die Rede.

Wirtschaftswachstum – Wachstum meint, dass im Vergleich zum Vorjahr mehr Waren produziert und Dienstleistungen angeboten werden. Das Wirtschaftswachstum spiegelt sich in der Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und beträgt im Idealfall zwischen drei und vier Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Erreicht es z.B. drei Prozent besagt dies, dass der Wert aller Güter im Vergleich zum Vorjahr um den entsprechenden Prozentsatz gestiegen ist.

Vollbeschäftigung – Über den Begriff Vollbeschäftigung drückt sich eine niedrige Arbeitslosenquote aus. Um das Kriterium der Vollbeschäftigung zu erfüllen, darf die Anzahl der erwerbsfähigen Menschen ohne Arbeit drei Prozent nicht übersteigen.

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht – Generell umfasst dies die Zielsetzung eines freien und ausgeglichenen Welthandels sowie stabile Währungssysteme. Realisiert werden soll dies auf nationalstaatlicher Ebene über ein paritätisches Verhältnis von Export und Import.

Probleme der Ziele

Wie bereits erwähnt, stehen die einzelnen konjunkturpolitischen Ziele teilweise im Widerspruch zueinander, sprich die Erfüllung eines der Ziele kann negative Effekte auf die übrigen Zielsetzungen haben.

Aktuelles Beispiel: Das gesenkte bzw. niedrige Zinsniveau sorgt zwar dafür, dass Unternehmen günstig an Kapital kommen und somit die Wirtschaft eine Konjunktur erfährt, aber zugleich steigt das Risiko eines Verfalls der Geldwertstabilität durch eine mögliche Inflation.

Es ist also immer ein wirtschaftspolitisches Abwägen von Nöten, um die Ziele innerhalb des „magischen Vierecks“ auf allgemeinverträgliche Weise zu realisieren und zu hohe Negativeffekte für eines der Ziele zu verhindern.

Erweiterungen / Varianten

Es kann ökologisch sinnvoll sein die Anzahl der Ziele zu erweitern, wodurch das Viereck zum Vieleck avanciert. In diesem Zusammenhang wird auch vom magischen Fünfeck, Sechseck, Siebeneck, Achteck oder Neuneck gesprochen:

  • ausgeglichene öffentliche Haushalte
  • gerechte Einkommensverteilung
  • Erhaltung einer lebenswerten Umwelt
  • humane Arbeitsbedingungen
  • Sicherung von Ressourcen

Dies birgt jedoch wiederum ein erhöhtes Konfliktpotenzial.

Zusammenfassung – Magisches Viereck

  • volkswirtschaftliches Konzept mit vier Zielen: Geldwertstabilität, Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht
  • Ziele können unterschiedliche gewichtet werden und stehen teilweise im Konflikt zueinander
  • beliebig erweiterbar zu einem „magischen Vieleck“
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