Produktionsplanungssystem

Produktionsplanungssystem ist zentraler Anwendungsbereich von Produktionscontrollinginstrumenten und Schwerpunkt von Produktionscontrollingaufgaben, das die Teilbereiche der Produktionszielplanung, der Produktionsprogrammplanung, der Produktionsfaktorplanung und der Produktionsprozessplanung umfasst. Die Verbindung zwischen Produktionsplanungssystem und Produktionssteuerungssystem wird durch die Auftragsfreigabe sichergestellt. Produktionsplanungssysteme der industriellen Praxis weisen eine zeitliche, hierarchisch-organisatorische und inhaltliche Differenzierung auf:
Zeitliche Differenzierung bedeutet, dass in Abhängigkeit von der Qualität der Prognosen und dem gewählten Planungshorizont zwischen einer lang- und kurzfristigen Produktionsplanung unterschieden wird. Die zeitlich differenzierten Lang- und Kurzfristpläne werden in Form einer rollenden oder rollierenden Planung miteinander verzahnt. Hinsichtlich der zeitlichen Koordination unterscheidet man zwischen einer zeitlich-sukzessiven und einer zeitlich-simultanen oder dynamischen Mehrperioden-Produktionsplanung. In der Industriepraxis werden nur zeitlich-sukzessive Konzepte eingesetzt, bei denen innerhalb eines Bezugszeitraums von mehreren Teilperioden zunächst der Plan für die erste Teilperiode formuliert wird, auf dessen Ergebnissen und Vorgaben aufbauend wird dann der Plan für die nächste Teilperiode erstellt.

Bei der hierarchisch-organisatorischen Differenzierung erstellt das obere Produktionsmanagement eine eher langfristig orientierte Produktionsplanung, die untere Managementebene erarbeitet eine eher kurzfristig orientierte operative Produktionsplanung.

Diese Planungen werden gemäß dem Gegenstromverfahren hierarchisch-vertikal koordiniert.

Die inhaltliche Differenzierung sieht eine Zuordnung der strategischen und operativen Teilpläne zu Planungsinhalten in Form von Zielen, Maßnahmen zur Erreichung der Ziele und Ressourcen zur Realisierung der Maßnahmen vor.
Produktionsziel-, Maßnahmen- und Ressourcenpläne werden in der Industriepraxis durch eine meist sachlich sukzessive Koordination horizontal aufeinander abgestimmt, wobei im Rahmen einer Engpassplanung mit der Teilplanung jenes Bereiches begonnen wird, der den betrieblichen Engpass (z.B. Energiebeschaffung) bildet. Schrittweise werden danach die Teilpläne der übrigen Bereiche ausgearbeitet (z.B. Produktionsprogrammplanung, dann Produktionsprozessplanung usw.), wodurch sich eine sachliche Koordination der Teilpläne ergibt.

Die in der Industriepraxis aufgrund des hohen Informationsversorgungsaufwandes kaum eingesetzte sachlich-simultane Produktionsplanung sieht das Aufstellen eines Produktions-Gesamtplans mit Hilfe eines simultanen Planungsmodells (z.B. Lineare Optimierung) vor, bei dem gleichzeitig Produktionsprogramm-, faktor- und -prozessplanung durchgeführt und mit ihren Interdependenzen erfasst werden. Während der Zielerreichungsgrad sachlich-sukzessiver Produktionsplanungen weitgehend unbestimmt bleibt, führt die sachlich-simultane Produktionsplanung zu optimaler Zielerreichung.

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