Differenzierung der Bereitstellungspolitik

Die kostengünstigste Gesamtlösung für die Materialbereitstellung läßt sich nur über eine differenzierte Betrachtung der Charakteristika der einzelnen Teile und einer hierauf abstellenden Versorgungssteuerung sicherstellen. Als Kriterien sind hierfür insbesondere heranzuziehen:

  • Relative Wertigkeit einer Materialart (ABC-Analyse)
  • Verbrauchsstruktur (XYZ-Analyse)
  • Fertigungstyp
  • erforderlicher Servicegrad
  • Lagerfähigkeit des Materials
  • verfügbare Lagerkapazität
  • Position auf dem Beschaffungsmarkt
  • Autonomieansprüche
  • erfolgs- und finanzwirtschaftliche Restriktionen

Verbreitete Verfahren zur Teileklassifikation stellen die ABC-Analyse und die XYZ-Analyse dar. Beide Verfahren teilen die Vielzahl der in einem Unternehmen benötigten Materialien in drei Klassen ein.

In engem Zusammenhang mit der Verbrauchsstruktur steht der Fertigungstyp, der sich durch die Anzahl der Wiederholvorgänge charakterisieren läßt. Es lassen sich Massen-, Sorten-, Serien- und Einzelfertigung unterscheiden. Betriebe mit Massenfertigung und, in abgeschwächter Weise, auch solche mit Sorten- und Serienfertigung tendieren bei hochwertigen Materialien zu produktionssynchroner Anlieferung. Werden im Rahmen der Einzelfertigung bestimmte Materialien nur für einen einzelnen Auftrag benötigt, so ergibt sich zwangsläufig die Anwendung der Einzelbeschaffung im Bedarfsfall.

Die Forderung nach einem hohen Servicegrad schlägt sich regelmäßig auch in einer entsprechenden Dimensionierung des Lagers nieder, es sei denn, es gelingt, über eine enge Lieferantenanbindung die Vorratshaltung in der gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Die Lagerfähigkeit des Materials hängt insbesondere ab von dessen Verderblichkeit, aber auch von der Sperrigkeit. Eine weitere wichtige Determinante für die Wahl des Materialbereitstellungsprinzips ist die verfügbare Lagerkapazität, einschließlich der vorhandenen Lagerausstattung.
Auf die Wahl des Bereitstellungsprinzips wirkt die Situation des Beschaffungsmarktes unmittelbar ein. Einzelbeschaffung im Bedarfsfall und produktionssynchrone Beschaffung sind zweckmäßig bei einer für den Abnehmer günstigen Beschaffungsmarktsituation. Diese ist dann gegeben, wenn das Unternehmen als Großabnehmer eine starke Nachfragemacht aufweist oder ein ausreichendes und kostengünstiges Angebot mit kurzen Lieferzeiten vorliegt.

Ungünstige Beschaffungsverhältnisse, die sich in niedrigen Angebotsmengen, steigenden oder stark schwankenden Preisen, langen bzw. unsicheren Lieferzeiten oder Transportproblemen ausdrücken, verstärken das Vorsichtsmotiv und damit den Absicherungswunsch durch Vorräte.

Die Autonomieansprüche drücken den Grad der Unabhängigkeit von den Lieferanten aus, den man realisieren möchte. Die einzelnen Bereitstellungsprinzipien tragen den Autonomieansprüchen von Abnehmer und Lieferant in unterschiedlichem Maße Rechnung. Hohe Autonomieansprüche sprechen isoliert betrachtet für eine Vorratspolitik, da sie zu einer gewissen Unabhängigkeit gegenüber den Lieferanten führt.

Bei der Einzelbeschaffung im Bedarfsfall fehlt das Lager als Puffer, so daß die Autonomie des Abnehmers eingeschränkt ist. Die produktionssynchrone Beschaffung setzt voraus, daß sowohl Abnehmer als auch Lieferant einbindungsbereit und -fähig sind. Beide Seiten müssen die gegenseitige Abhängigkeit akzeptieren und teilweise auf ihre Autonomie verzichten.

Zwar gilt grundsätzlich das Postulat einer möglichst wirtschaftlichen Materialbereitstellung, jedoch stellen sich in bestimmten Unternehmenssituationen, wie Liquiditätsengpässen oder Ergebnisrückgängen, zusätzliche erfolgs- und finanzwirtschaftliche Restriktionen, die es bei der Materialbereitstellungspolitik zu beachten gilt.

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