Soziale Intelligenz – was ist das?

Am Anfang der wissenschaftlichen Auseinandersetzung steht das Konzept der sozialen Intelligenz. Bereits 1920 definiert Thorndike soziale Intelligenz als die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen und „weise“ zu handeln. Im Gegensatz zum heutigen Intelligenzbegriff fokussiert er somit nicht nur Aspekte der kognitiven Informationsverarbeitung. Auch das Handeln an sich findet Berücksichtigung.




Verwendet man den Begriff der sozialen Intelligenz in diesem Sinne, so kann er als ein Synonym der sozialen Kompetenz gelten. Die Forschungstradition zeigt jedoch einen ganz anderen Weg auf. Testverfahren, mit deren Hilfe die soziale Intelligenz gemessen werden soll, verwenden überwiegend sehr abstrakte, rein kognitive Leistungsaufgaben. Dabei geht es z. B. um die richtige Deutung nonverbaler Signale oder die Ordnung von Bildern zu einer sinnvollen Bildgeschichte.

Es überrascht nicht, dass die Leistung in derartigen Tests sehr hoch mit der allgemeinen Intelligenz der Probanden korreliert (Orlik, 1978; Schmidt, 1995). Sternberg (1985) integriert folgerichtig die soziale Intelligenz in sein allgemeines Modell der menschlichen Intelligenz. Verwenden wir den Begriff in diesem reduzierten Sinne, so kann er nur noch als eine Facette der sozialen Kompetenz gelten.


Die soziale Intelligenz würde dementsprechend wichtige perzeptiv-kognitive Kompetenzen zusammenfassend kennzeichnen. Welcher Einordnung ist nun aber der Vorzug zu geben? In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Intelligenzbegriff im ureigensten Sinne auf die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen bezieht, erscheint die zweite Einordnung sinnvoller als die erste. Ein synonymer Gebrauch führt eher zur Verwirrung und fördert überdies die inflationären Verwendung und Aufweichung des Intelligenzbegriffes.

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