Psychologisch intelligent Aufgaben delegieren

Versuchen Sie erst gar nicht alles alleine zu machen – damit werden Sie zwar vielleicht zum geschätzten Mitarbeiter und erhöhen mit Sicherheit Ihre Arbeitszeit, aber Sie fördern keinesfalls Ihre Karriere. Erfolgreiches Delegieren dagegen hält Ihnen den Rücken frei für die wirklich wichtigen, weil strategisch sinnvollen Tätigkeiten.




Gerade in den unteren Führungspositionen haben Sie aber oft gar nicht genug Mitarbeiter, um die Arbeiten bequem auf andere zu verteilen. Delegieren lässt sich aber nicht nur nach unten, vielmehr müssen Sie versuchen auch Kollegen oder Ihren Chef für die Erledigung einer Aufgabe psychologisch zu gewinnen. Delegationsansinnen, die ganz offensichtlich zum Ziel haben, lästige Aufgaben auf andere abzuwälzen, haben allerdings kaum Aussicht auf Erfolg. („Ach, Herr Krause, gut, dass ich Sie treffe. Könnten Sie vielleicht das Fuhrparkprojekt übernehmen? Ich schaffe das momentan leider nicht selbst…“)

Das Tom-Sawyer-Prinzip – Je attraktiver eine Aufgabe erscheint, desto leichter ist sie delegierbar

Nehmen Sie sich besser ein Beispiel an Tom Sawyer. Als dieser von seiner Tante Polly dazu verdonnert wurde, den Zaun zu streichen, ging er psychologisch meisterlich vor. Er führte die Arbeit mit absoluter und professioneller Hingabe aus und machte damit gegenüber seinen Freunden deutlich, dass es sich hier um etwas ganz Besonderes handelte und dass nicht jeder Dahergelaufene diesen Zaun streichen konnte und auch durfte.

Als sein erster Kumpel ihm helfen wollte, lehnte Tom zunächst ab: Zaunstreichen war schließlich ein außergewöhnliches Privileg. Schließlich verlangte er von jedem Anwärter eine Bezahlung für die Erlaubnis, ebenfalls den Zaun streichen zu dürfen. Am Ende sonnte sich Tom in den ihm übergebenen Reichtümern und war nur noch mit der Beaufsichtigung der Arbeit beschäftigt. Der Zaun wurde übrigens mehrfach gestrichen.


Die drei Bestandteile des Tom-Sawyer-Prinzips lauten:
Vermitteln Sie den Sinn der Arbeit („Durch das neue Fuhrparkmanagement kann das Unternehmen wichtige Ressourcen einsparen.“)

Machen Sie deutlich, welche besonderen Fähigkeiten die Aufgabe erfordert („Ich benötige dafür jemanden, der sowohl die Zahlen im Blick hat als auch einen Gesamtüberblick über die Bedürfnisse aller Bereiche. Außerdem ist Verhandlungsgeschick sowohl mit den externen Anbietern notwendig als auch gegenüber den internen Abteilungen.“)

Machen Sie glaubhaft, warum ausgerechnet diese Person für die Aufgabe besonders geeignet ist („Sie haben das nötige Geschick, um die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen. Ich brauche jemanden, auf den ich mich verlassen kann.“)

Wenn Sie dann noch eine Zugabe bieten können, weil Sie die persönliche Motivationsstruktur der betreffenden Person kennen („Sie werden dadurch selbst bestimmen, in welchem Auto Sie ab nächstem Jahr zu Ihren Kunden fahren“), haben Sie die psychologische Reifeprüfung bestanden. Übertreiben Sie es aber bitte nicht. Manche Aufgaben lassen sich nicht künstlich aufwerten. Das wirkt dann bemüht und lächerlich („Niemand kann mit Excel so professionell umgehen wie Sie …“).

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