Wertpapieranalyse

Wertpapieranalyse ist neben den Investitionsrechenverfahren für die Vorteilhaftigkeitsbeurteilung bei Sachinvestitionen existieren spezielle Instrumente zur Analyse von Wertpapieren. Sie kommen bei Finanzanlage-Entscheidungen (Finanzanlage) des Unternehmens zum Einsatz und sollen zu einer optimalen Wertpapierauswahl im Hinblick auf die Kriterien „Rendite“ und „Risiko“ beitragen.

Die Höhe der Effektivverzinsung und das Zinsänderungs- bzw. Kursrisiko sind neben der Bonität des Schuldners und der Fungibilität der Papiere die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Beurteilung festverzinslicher Effekten:

Zur Bestimmung der Effektivverzinsung werden in der Praxis Näherungsformeln verwendet, die in relativ einfacher Weise Ausgabe- und Rückzahlungskurs sowie die mittlere Laufzeit des Wertpapiers mit der Nominalverzinsung verrechnen.

Das Zinsänderungsrisiko i.e.S., das aus der unsicheren Wiederanlagerendite der Zinsen resultiert, entwickelt sich i.d.R. bei einer bestimmten Marktzinsentwicklung gegenläufig zum Marktwertänderungsrisiko, welches sich in Kursschwankungen während der Laufzeit manifestiert. Instrumente zur Risikoanalyse sind Zinsertragskurven (yield curves) und die Duration-Kennzahl, mit deren Hilfe sich a priori ein potenzieller Veräußerungstermin ermitteln lässt, bei dessen Realisierung sich Zinsänderungsrisiko und Marktwertänderungsrisiko in etwa kompensieren. Wird dieser Zeitpunkt mit der in der Finanzplanung festgelegten Anlagedauer durch Auswahl entsprechender Papiere abgestimmt, kann eine weitgehende Immunisierung gegenüber diesen Risiken erreicht werden.

Bei der Beurteilung von Aktien stehen sich drei sehr unterschiedliche Verfahren gegenüber: Die Technische Analyse, Fundamentalanalyse und die Random-walk-Hypothese.

Die Fundamentalanalyse sieht den inneren Wert der Aktie als alleinige Kursdeterminante an. Nach älterer Auffassung hängt er von der Unternehmenssubstanz und von der Höhe der laufenden Dividendenzahlungen ab. Heute steht die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens im Vordergrund. Zu ihrer Abschätzung dient das Present-Value-Konzept, das in Anlehnung an die Kapitalwertmethode den Gegenwartswert aller zukünftigen Dividendenzahlungen als den „richtigen“ Wert einer Aktie definiert. Dabei wird die zukünftige Dividendensumme, soweit andere Anhaltspunkte fehlen, durch Extrapolation aus der Vergangenheit ermittelt.

Ein statisches und in Deutschland verbreitetes Verfahren bedient sich der Price-Earning-Ratio (PER = Kurs-Gewinn-Verhältnis), dem Quotienten aus aktuellem Aktienkurs und letztem bekanntem Gewinn pro Aktie. Die PER gibt Auskunft darüber, mit dem Wievielfachen des auf eine Aktie entfallenden Gewinns die Aktie an der Börse bewertet wird, und ermöglicht gleichermaßen Zeit- wie Unternehmensvergleiche. Der Gewinn pro Aktie wird hierzulande einheitlich nach dem Schema der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung e.V. ermittelt (DVFA-Ergebnis je Aktie), indem der Jahresüberschuss insb. um außerordentliche, aperiodische sowie dispositionsbedingte Einflüsse bereinigt wird. Dadurch ist das DVFA-Ergebnis je Aktie als Vergleichsgröße und als Basis für das Kurs-Gewinn-Verhältnis geeignet.

Als Gegenpol zur Fundamentalanalyse ist die Technische Analyse zu bezeichnen. Sie versucht der Erkenntnis Rechnung zu tragen, dass Börsenkurse nicht nur von innerbetrieblichen Faktoren geprägt werden, sondern dass darüber hinaus ein kompliziertes Wirkungsgeflecht ökonomischer, politischer, psychologischer und anderer Faktoren an der Börse wirksam ist. Ziel ist dabei nicht die Erklärung des Zusammenwirkens dieser Faktoren. Vielmehr werden Börsenkurse beobachtet und daraus Folgerungen für die zukünftige Kursentwicklung abgeleitet. Ausgangspunkt für diese Prognosen ist die Annahme, dass sich die Börsenkurse in Trends entwickeln, welche sich im Zeitablauf in ähnlicher Form wiederholen. Die Identifizierung solcher Trends erfolgt durch Abbildung und Analyse vergangener Kurs- und Umsatzentwicklungen in sog. Chart-Diagrammen. Spezialisierte Verfahren existieren sowohl für Gesamtmarkt- und Branchenbetrachtungen als auch für die Untersuchung einzelner Aktien.

Die Verfechter der Random-walk-Hypothese gehen davon aus, dass die täglichen Börsenkurse rein zufällig um den inneren Wert einer Aktie oszillieren. Anpassungen an Veränderungen dieses inneren Wertes können zufallsbedingt bereits vor bzw. erst nach Eingang der entsprechenden Informationen erfolgen oder zu schwach bzw. zu stark ausfallen. Diese Erkenntnis impliziert die Unabhängigkeit zukünftiger Kurse von der vergangenen Kursentwicklung und steht somit im Gegensatz zu den Prämissen der Technischen Analyse. Weder diese noch die Random-walk-Hypothese konnten bisher empirisch eindeutig nachgewiesen werden.

Es ist festzuhalten, dass ein Instrument zur fehlerfreien Börsenkursprognose von Aktien nicht existiert und Ergebnisse sowohl der Technischen wie der Fundamentalanalyse, die in Kauf- oder in Verkaufsempfehlungen münden, mit Vorsicht zu behandeln sind. Auf jeden Fall sollte sich der Investor nicht blind auf das Resultat einer dieser Methoden stützen, sondern seine Engagements auf umfassende, möglichst viele Faktoren berücksichtigende Untersuchungen aufbauen. Die Fundamentalanalyse leistet sicherlich einen Beitrag zur Identifikation unterbewerteter Aktien oder zur Abschätzung des allgemeinen Börsenklimas; die Bestätigung derart gewonnener Erkenntnisse durch die Technische Analyse stellt dann eine zusätzliche Absicherung der Anlageentscheidung dar.

Durch Diversifikation innerhalb eines Aktienportefeuilles lässt sich das jeder Aktie naturgemäß beiwohnende Risiko weiter vermindern (Portefeuille-Theorie). Neben dem Kurssteigerungspotenzial einzelner Aktien gewinnt dann die Dividendenrendite als zweiter Ertragsfaktor an Bedeutung und sollte in die vergleichende Analyse einbezogen werden.



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