Going-Private (Aktiengessellschaft)

Auch bekannt als: Delisting, Börsenabgang

Going-Private bezeichnet den umgekehrten Vorgang des Going-Public und ist die Überführung einer börsennotierten Aktiengessellschaft, deren Aktien öffentlichen gehandelt werden, in ein nicht börsengelistetes Unternehmen, dessen Anteile privates (also: nicht öffentlich gehandeltes) Kapital darstellen.

Der Erfolg des neuen Marktes löste einen Boom bei den Börsengängen (IPO) aus. Die Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung und die Liquidität der Börse lockten fast täglich Unternehmen an die Börse. Die Rückzugsstrategie von den deutschen Börsen dagegen ist im Gegensatz zum angelsächsischen Raum eher unüblich. Dennoch lassen sich wesentliche Gründe, die für ein Going-Private sprechen, aufführen:

1. Going-Private zur Abwehr einer Übernahme durch eine andere Gesellschaft. Ziel ist es die Unabhängigkeit und Selbständigkeit bezüglich der Unternehmenspolitik zu wahren.

2. Andauernde Unterbewertung einer Unternehmung durch die Börse. In diesem Fall kann es ratsam sein, das Unternehmen von der Börse zurückzuziehen.

3. Going-Private, um sich der Publizitätspflichten und Öffentlichkeitsarbeit zu entledigen und dem Druck von den Aktionären zu entgehen.

Das Going-Private kann in mehreren Varianten erfolgen, grundsätzlich handelt es sich aber um Formen des Buyout. Die bekanntesten Formen des Buyout sind der Management-Buyout (MBO) und der Leveraged-Buyout (LBO). Ein MBO kennzeichnet sich dadurch, daß das Management die treibende Kraft der Transaktion ist. Bei einem LBO dagegen liegt das Hauptmerkmal auf der Finanzierung der Transaktion, die mittels einer meist hochgradigen Fremdfmanzierung erfolgt. Oftmals fmdet ein MBO in der Form eines LBO statt.

Das Going-Private und das Delisting sind verwandt. Delisting bedeutet die Aufhebung der Börsennotiz und kann sich somit auf einzelne Börsenplätze beziehen, wogegen Going-Private den Rückzug von sämtlichen öffentlichen Börsenplätzen impliziert.

Der Gesetzgeber schreibt kein einheitliches Verfahren für Going-Private-Transaktionen vor. Dennoch lassen sich vier Phasen unterscheiden:106 1. Voranalyse: Abwägung der Vor- und Nachteile für ein Going-Private sowie der Vor- und Nachteile einer weiteren Börsennotierung. 2. Initiierung: Festlegung der Form des Going-Private, Festlegung der Finanzierung. 3. Prüfung: Rechtliche Folgen, Finanzielle Folgen. 4. Durchführung des Buyouts.



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